Eine Ode an das „=“

In letzter Zeit fällt mir zunehmend auf, dass die Verwendung des Gleichheitszeichens in der Öffentlichkeit, d.h. speziell in Werbung und Außendarstellung, eine nahezu sträfliche Nachlässigkeit aufweist.

Nur noch einmal zur Erinnerung: Das Gleichheitszeichen bedeutet, dass zwei Dinge, nämlich diejenigen rechts und links vom Gleichheitszeichen, gleich sind. Gleich bedeutet hierbei, dass sie nicht unterscheidbar sind, sonst wären sie ähnlich oder gleichartig. Nebenbei bemerkt, ist das eine ähnliche Geschichte wie die Verwendung von dasselbe und das Gleiche… Ersteres bedeutet, dass zwei Dinge identisch sind, damit sind sie auch gleich. Zweiteres bedeutet, dass zwei Dinge gleich sind, d.h. prinzipiell nicht unterscheidbar sind. Das bedeutet allerdings nicht, dass es sich um dasselbe(!) Ding handelt.

Nach meiner Beobachtung, wird das Gleichheitszeichen oftmals wie eine Implikation verwendet. So las ich beispielsweise heute auf dem Weg zur Mensa beim Bäcker im Schaufenster ein Schild mit folgender Aufschrift:

„Solibrot: 3,40 € = 0,50 € Spende“

Als Mathematiker würde ich sagen: Ganz klar „Spende“ ist eine Variable hat und hat den Wert 6,8. Alternativ, allerdings ohne Kontext ungleich unwahrscheinlicher, wäre die Interpretation möglich, dass „3,40“ der Eigenwert der Matrix „Spende“ ist, aus der ein Faktor von 0,5 herausgezogen wurde. Damit ließe sich durch rechtsseitige Multiplikation eines Vektors  x die Gleichung 3,40*x = 0,5*Spende*x (abgeleitet aus λx = Ax mit λ = 3,4 und A = 0,5*Spende) rekonstruieren… was das „€“ da soll, weiß ich allerdings auch nicht.

Über die Verwendung des Gleichheitszeichens als Implikation hinaus, gibt es auch einfach Stellen, wo die Verwendung jeder Beschreibung spottet, z.B. hier:

Aus der dort angegebenen Gleichung folgt nämlich direkt, dass 0 = 1 ist, was die herkömmliche Mathematik instantan und nachhaltig zerstört. Vermutlich sollte hier eine funktionale Relation etabliert werden, sodass die Notation f(400ml) = 200 ml möglicherweise  in die richtige Richtung gehen würde.

Die falsche Verwendung des Gleichheitszeichens scheint allerdings leider ein verbreitetes Problem zu sein [1, 2]. Daher zum Abschluss mein Appell: Seid Vorbilder! Bevor ihr in Zukunft ein Gleichheitszeichen verwendet, denkt bitte darüber nach, ob ihr wirklich eine Gleichheit ausdrücken wollt, oder eher eine Folge, eine funktionale Relation oder etwas ganz anderes.

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